Konzeption und verwendete Hölzer


Bei der Konzeption des Aufbaus waren folgende Kriterien ausschlaggebend:

Was soll transportiert werden können?

  • Ausreichendes Volumen im geschützten Bereich – sicher vor Nässe, abschließbar.
    Breite für zwei Euroboxen / Werkzeug-Systainer (30 cm x 40 cm) nebeneinander-
  • Zusätzliche Transportmöglichkeit langer Gegenstände auf „Dachständer“ (z.B.Wasserwaage/Richtlatte/Leisten) oder sperrige, leichtere Gegenstände
    (z.B. Arbeitsböcke, Bockleiter etc.)
  • Gut erreichbares extra „Handschuhfach“ für z.B. Regenschutzkleidung, Fahrradschloss, Zurrgurte,, Wegzehrung

Welche Ansprüche sollen die Konstruktion und die verwendeten Materialien erfüllen?

  • Es soll ein individuelles, hochwertiges „Strassenmöbel“ entstehen, welches komplett aus Holz gefertigt ist und gleichzeitig als Visitenkarte und Empfehlung für den Nutzer bzw. Dienstleister gelten kann.
  • Der Aufbau soll wasserdicht und beständig gegen Feuchtigkeit sein. Dieser Anspruch gilt für die Einsatzzeit, so dass es auch mal tagelang im Regen stehen könnte. Allerdings wird das Rad in der Regel immer wieder „zu Hause“ im Trockenen sein –
    kurz: ein „Garagenwagen“
  • Das Eigengewicht des Aufbaus muss eine ausreichende Beladungsreserve gewährleisten. Trotzdem müssen die Querschnitte eine ausreichende Stabiltät, das Holz im Bereich von Stosskanten ausreichend hart sein und in der äusseren Schicht möglichst witterungsbeständig.
  • Das Rad soll möglichst „barrierefrei“ beladen werden können, d.h. im geöffneten Zustand soll es keine Seitenwände zu überwinden geben.
  • Schrauben sollen nur im Zusammenhang mit Befestigung der Box am Rad selbst und den Schwerlastauszügen verwendet werden. Ansonsten soll der Aufbau möglichst formschlüssig wasserfest verleimt sein.
  • Ausserdem sollen bis auf die Bodenplatte keine abgesperrten Platten (Sperrhölzer, Schalungsplatten) in der äusseren Schicht verwendet werden
  • Wenn auch eher selten, soll dennoch die bequeme und sichere Beförderung einer erwachsenen Person bis gut 80 kg möglich bleiben

Warum eignet sich das Kettler Cargo besonders gut?

Vor dem Kauf des Lastenrads selbst bestand bereits die Absicht der Fertigung eines eigenen Aufbaus.

Die Entscheidung für das Kettler Cargo fiel im wesentlichen aus zwei Gründen:

  • Plattform: Die Plattform für das auch vom Hersteller angebotene Zubehör besteht lediglich aus einem liegenden, massiven Alu-Rahmen. Diese Ebene ist in der Breite nicht durch seitliche Holmen begrenzt (diese Bedingung erfüllen auch einige andere Anbieter)
  • Die Elian-Nabe des Vorderrads erlaubt eine Lösung ohne klassische Vorderrad-Gabel. Dadurch endet die Radgeometrie in der Höhe mit dem Vorderrad selbst und gestattet die Ausbildung eines Vorbaus mit Viertelkreis ohne störende Eindringung in den Aufbau.

Welche Massivhölzer wurden verwendet?

Der Aufbau ist überwiegend aus Massivholz gefertigt. Insgesamt wurden 4 verschiedene Hölzer verwendet.

Blauglockenbaum (Paulownia tomentosa)

auch Kaiserbaum, Kaiser-Paulownie oder Kiri-Baum. Beheimatet in Zentral- und Westchina, kultiviert in Korea, Japan, Nordamerika und Europa – insbesondere in Regionen mit warmen Klima (Quelle Wikipedia).

Der verborgene Star unter den hier verwendeten Hölzern: Dieses Holz wird im etablierten Holzbau bisher selten verwendet, daher hier eine etwas ausführlichere Beschreibung.
Mit einer Rohdichte von 200-300 kg/cbm ist es ähnlich leicht wie dichteres Balsaholz und bringt damit im Mittel nur etwas mehr als die Hälfte von Fichte/Tanne auf die Waage. Das Holz hat eine sehr geringe Neigung zum Verziehen. Biege- und Verdreh-Festigkeit ist mit der von Fichte vergleichbar.
Der verwendete Blauglockenbaum ist lokal gewachsen und für den konstruktiven Rahmenbau der einzelnen Elemente verwendet worden. Die geringe Härte (Fingernagel-Probe) spielt in diesem Fall eine untergeordnete Rolle, da die Rahmenteile komplett mit anderen Hölzern bekleidet sind.
Dem Blauglockenbaum werden noch weitere besondere Eigenschaften zugeschrieben – für den Interessierten lohnt sich evtl. weitere Lektüre.

Die übrigen Hölzer:
Lärche, Eiche und recyceltes Mahagoni

  • Recycelte Terrassendiele aus Tropenholz – mutmasslich Mahagoni
    Dieses Holz hat schon mindestens 15 Jahre im Freien „auf dem Buckel“, ist dennoch sehr schwer geblieben und somit offensichtlich weiterhin hervorragend für den Ausseneinsatz geeignet. Es wurde nicht zuletzt aus optischen Gründen nur für die liegenden Flächen (Decken) eingesetzt
  • Europäische Eiche-
    Dieses heimische Hartholz kam überall dort zum Einsatz, wo Festigkeit und vor allem Härte gefragt sind.Verwendet wurde es teilweise für aussenliegende Rahmenteile/-Profile (z.B. Rahmen um Grundplatte, Aufnahme Schwerlastauszug etc.), überwiegend jedoch in einer geringen Stärke von unter 5 mm als letzte Schicht für alle Flächen und Kanten, die durch Stöße und Schrammen gefährdet sind
  • Lärche/Douglasie
    Diese u.a. auch heimisch wachsenden Hölzer gelten als die witterungsbeständigeren unter den Weichhölzern. Das spez. Gewicht dieser Hölzer – v.a. von Lärche – kann je nach Stamm sehr unterschiedlich sein, die schwereren Exemplare reichen an das von Eiche und anderen Harthölzern heran. Mutmaßlich gilt: je schwerer um so witterungsbeständiger. Schon allein um Gewicht zu sparen ist hier die Verwendung von schnellgewachsener europ. Douglasie angezeigt. Wichtiger als die Wahl des Stammes ist eine astfreie Sortierung, welche bei der Kleinteiligkeit der benötigten Leisten vertretbar erscheint